INTERVIEW
Jasper Field interviewt seinen Schöpfer Simon Jarr.

JASPER: Bist du bereit?
SIMON: Klar, kann losgehen.
JASPER: Fein! Was soll ich fragen?
SIMON: Alles, was du wissen willst.
JASPER: Na schön. Erste Frage! Wieso wolltest du unbedingt über mich schreiben?
SIMON: Wollte ich nicht. Du warst am Anfang überhaupt nicht geplant. Erst im Herbst 2020 bist du plötzlich in meinem Kopf aufgetaucht. Zu diesem Zeitpunkt steckte bereits ein ganzes Jahr Arbeit in der Idee, über einen Verlagserben zu schreiben, der eine globale Verschwörung in der Zeitungsbranche aufdeckt. Dass jemand Max Sandberg bei der Suche nach der Wahrheit helfen könnte, fand ich total spannend. Mir gefiel dein Charakter so gut, dass du unbedingt Teil der Geschichte werden musstest. Also habe ich alles umgeschrieben, ohne dass ich damals wusste, wohin die Reise mit dir führen würde.
JASPER: Du hast dann aber aus der Sicht von Max geschrieben. Warum?
SIMON: Ich wollte, dass die Leser das Gefühl bekommen, mittendrin zu sein. Ein Ich-Erzähler hat nur seinen eigenen Horizont. Das finde ich beim Erzählen total faszinierend. Ich musste mich also in Max hineinversetzen und mit seinen Augen beobachten, mit seinem Verstand analysieren, seiner Intuition folgen und mit ihm entdecken, was vor ihm liegt oder mit wem er es zu tun hat. Der Erzählton und die Sprache sind die von Max. Er erzählt die Welt so, wie er sie sieht, nicht wie ich sie als allwissender Erzähler beschreiben würde. Es braucht enorme Konzentration beim Schreiben, dass man nicht zufällig in die eigene Perspektive wechselt und etwas erzählt, das Max selbst nicht wissen kann.
JASPER: Dann steckt nichts von dir selbst im Buch?
SIMON: Doch! Sogar viel mehr, als ich anfangs beabsichtigt hatte. In einigen Punkten sind wir zwei uns sogar sehr ähnlich.
JASPER: Ach, sieh an. Wie wäre es mit Details?
SIMON: Nein! Keine Details.
SIMON: Durch einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 2004. Also reiner Zufall. Ich denke, die wenigsten wissen davon. Ich fragte mich damals, was wäre, wenn ich ein wenig an der Dramatik-Stellschraube drehen (was durchaus im Bereich des Möglichen liegt) und was die Presse dann mit dieser Information machen würde. Würde sie es trotzdem veröffentlichen? Würde die Politik eingreifen? Gibt es in einer Welt der Pressefreiheit Dinge, die man zum Wohle aller lieber für sich behält? Das war und ist das Gerüst des Romans.
JASPER: Fein! Dann eben zur nächsten Frage. Wie bist du auf die Idee mit der Verschwörung gekommen?
JASPER: Du kennst dich also mit der Welt der Presse aus?
SIMON: Nicht wirklich. Ich bin ausgebildeter Buchhalter. Für den Roman habe ich im Vorfeld sehr viel recherchiert, habe Biografien bekannter Verleger und Verlegerinnen gelesen, Geschäftsberichte studiert, mich einen ganzen Sommer lang mit London vertraut gemacht und den digitalen Wandel in der Medienwelt sehr interessiert verfolgt.
JASPER: Es ist aber kein reiner Thriller geworden. Warum nicht?
SIMON: Wegen Dir! Durch das Einarbeiten deines Charakters vermischten sich die Genres. Die Suche nach der Wahrheit stand zwar noch im Mittelpunkt, aber meine ursprüngliche Idee entwickelte sich weiter und sollte nun die Beziehungen der Menschen untereinander zeigen. Wie verhalten und fühlen wir uns, wenn wir Geheimnisse bewahren, um andere zu schützen? Was machen unsere Kindheitserfahrungen aus uns? Wie schwer fällt es uns, zu vertrauen? Dein Charakter war perfekt, um alle anderen Romanfiguren gehörig durchzuschütteln und in Ausnahmesituationen auf die Probe zu stellen.
JASPER: Huh, gern geschehen. Aber wieso, verdammt noch mal, mussten es über 800 Seiten werden?
SIMON: Das war anfangs so nicht geplant. Ich kannte die Hürden, die so ein umfangreicher Plot mit sich bringen würde. Eine Aufteilung in zwei Teile hatte ich ebenfalls schnell ausgeschlossen. Constable hätte seinen Hay Wain schließlich auch niemals dem besseren Handling zuliebe entzwei gehauen. Ich wollte durch Rückblicke den Lesern Erinnerungen mitgeben, kleine Schnipsel aus der Vergangenheit, damit sie in die Lage versetzt werden, das große Puzzle selbst zusammenzufügen. Ich wollte außerdem deine eigene Lebensgeschichte nicht einfach so runtererzählen. Die Leser sollten sie zusammen mit Max selbst miterleben, auch wenn es an manchen Stellen wehtut. Deine Geschichte wurde so zum Miniroman im Roman. Und dann war da noch das Ende. Das war übrigens die größte Schwierigkeit beim Schreiben. Logikfehler tauchen meistens bei der Auflösung auf. Ich wollte kein Eiltempo zum Schluss, wollte nicht den Eindruck erwecken, dass die Geschichte schnell fertig werden musste. All die kleinen Details sollten richtig und nachvollziehbar aufgelöst werden. Keine Frage sollte unbeantwortet bleiben.
JASPER: Der Kleine kennt die Wahrheit ...
SIMON: Warte! Nichts wird verraten.
JASPER: Ja, schon gut. Wie bist du auf die vielen Handlungsorte gekommen?
SIMON: Recherche und Planung. Die Orte im Roman gibt es alle wirklich und sie sollten im Kontext des gesellschaftlichen Hintergrundes von Max Sinn ergeben. Exotik und Spannung spielten natürlich eine Rolle. Ich selbst kenne London gut, liebe diese Stadt, und ich mag die Schweiz sehr gerne, wo der Roman die meiste Zeit spielt.
JASPER: Schreibst du schon an der Fortsetzung?
SIMON: Es wird keine Fortsetzung geben! Die Geschichte ist fertig erzählt. Von Sequels und Prequels halte ich nichts. Aber ich schreibe weiter. Es wird einen zweiten Roman geben. Die Geschichte wird in der Welt der Mode spielen. Wieder sehr spannend! Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.
JASPER: Das heißt 5 Jahre warten?
SIMON: Nein, ich hoffe, es geht dieses Mal schneller.
JASPER: Wie schnell?
SIMON: Das kann ich nicht genau sagen. Ich bin ein sehr langsamer Schreiber, weil ich zu sehr Perfektionist bin. Wenn die Melodie eines Satzes nicht passt oder der Anfang eines neuen Kapitels, dann wird so lange daran herumgefeilt, bis ich zufrieden bin. Das kann Stunden, manchmal auch Tage dauern. Wenn ich eine Seite pro Tag schaffe, bin ich schon zufrieden.
JASPER: Na, dann will ich dich nicht länger aufhalten.
SIMON: Danke für das Interview.
JASPER: Gern geschehen. Wo gibt's signierte Exemplare von mir?
SIMON: Hier: